Renate Klöppel, Sabine Vliex

Helfen durch Rhythmik
Verhaltensauffällige Kinder erkennen, verstehen, richtig behandeln


 

Neuauflage Bosse Verlag 2004, 2. Auflage 2007, Übersetzung ins Polnische und Tschechische, 203 Seiten, mit zahlreichen Übungen und Notenbeispielen, EUR 21,95, ISBN 3764924462



Aggressivität bei Kindern, provokatives Störverhalten und Geltungssucht sind für jeden Pädagogen eine Herausforderung, während Ängstlichkeit, Unsicherheit und fehlendes Selbstbewusstsein oft nicht erkannt oder die Auswirkungen unterschätzt werden. Alle diesen Auffälligkeiten entwickeln sich in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und sind großenteils erlernt. Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen haben häufig andere Ursachen.

Das Buch trägt dazu bei, verhaltensauffällige Kinder besser zu verstehen und mehr zu wissen über die Ursachen ihrer Störungen. Es zeigt auf, wie durch Rhythmik geholfen werden kann, und gibt allgemein gültige, zum Teil verhaltenstherapeutisch orientierte Empfehlungen für den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern. Hierzu enthält der zweite Teil des Buches mehr als 100 Übungen, Geschichten, Spiele und Lieder, die nach Übungsschwerpunkten geordnet sind, wodurch eine praxisbezogene Verwendung ermöglicht wird.

Durch die Kombination von theoretischer Wissensvermittlung und praktischen Übungsangeboten ist dieses Buch eine echte Praxishilfe für Erzieher und Lehrer in Kindergarten, Hart und Schule, darüber hinaus eine Informationsquelle für hauptberufliche Rhythmiklehrer, Sonderpädagogen, Sozialpädagogen, Motopädagogen, Ergotherapeuten und Heilpädagogen, Kinderärzte und Eltern.

 

Rezensionen

Das Buch ist in der Reihe „Praxishilfen – Kindergarten, Hort, Schule" erschienen und stellt in der Tat eine treffliche Hilfe für alle dar, die in der Frühförderung von Kindern tätig sind. Ein besonderer Bezug zu verhaltensauffälligen Kindern braucht dabei noch nicht einmal zu bestehen: namentlich die bietet Stoff und Anregungen in Fülle, über die sich jeder Sozialpädagoge sicherlich freuen wird. Ein wesentliches Anliegen des Buches ist indes die Darstellung der Verhaltensweisen von Kindern, die sich nicht so verhalten, wie Sozialpädagogen und Erzieher es gerne hätten. So hat sich die Kinderärztin und Rhythmiklehrerin Renate Klöppel zunächst die Aufgabe gestellt, in verschiedene, häufig vor- kommende Formen von Verhaltensauffälligkeiten und deren Ursachen einzuführen. Sie tut das mit viel Sachverstand und Geschick in Anbetracht der Tatsache, dass der potentielle Leserkreis des vorliegenden Buches eben nicht aus Fachleuten auf dem Gebiet der Sonderpädagogik besteht. In drei Kapiteln werden ängstliche, alberne und aggressive Verhaltensweisen beschrieben und mögliche Ursachen dafür erläutert. Ein viertes Kapitel behandelt die „minimale cerebrale Dysfunktion" (MCD), Probleme bei hyperaktiven Kindern sowie Teilleistungsstörungen. Die eindringlichen Warnungen der Verfasserin, sich vor allem auf einem diagnostisch so umstrittenen Gebiet wie MCD nicht als Fachleute zu fühlen und Eltern zu verunsichern, verdienen große Anerkennung.

Die Verfasserin zeigt sodann ein ganzes Bündel von Möglichkeiten auf, wie unerwünschte Verhaltensweisen bei Kindern soweit modifiziert werden können. dass sich Betreuer wie Betreute und letztlich auch die Verursacher von Störungen selbst so weit akzeptieren lernen. dass allseits zufriedenstellende Rhythmikstunden möglich erscheinen. Heilpädagogische Maßnahmen und gezielte Verhaltenstherapie gehören dabei in die Hände von Fachleuten. Musiktherapie und psychomotorische Übungsbehandlung stehen dem gut ausgebildeten Rhythmiker indes derart nahe, dass er in der Lage sein sollte, offenkundige Beziehungen zwischen seinem Fach und den genannten Sachgebieten zu sehen, um sie zum Wohle seiner verhaltensauffälligen Kinder bei der praktischen Tätigkeit miteinander verknüpfen zu können. Unter Bezugnahme auf die im ersten Kapitel beschriebenen Verhaltensweisen werden nun Ziele und Möglichkeiten vorgestellt, die aus dem Sachgebiet der rhythmischen Erziehung erwachsen und die bei den Bemuhungen um Integration verhaltensauffälliger Kinder in Kindergartengruppen und Schulklassen vorteilhaft angewandt werden können. Die Verfasserin beruft sich dabei auf verschiedene Autoren, die als erfahrene Praktiker bekannt geworden sind, bringt darüber hinaus aber auch eigene Beispiele. Allgemein erzieherische Ratschläge und spezielle Hinweise auf die Arbeit in Rhythmikstunden helfen dem Lehrer in ungewohnten Situationen. Hilfreich sind die Hinweise auf einen Mechanismus, der in Gang gesetzt werden kann, wenn sich „das schwierige Kind" und die mit dieser Situation überforderte Lehrperson gegenseitig ablehnen. Besonders wertvoll sind die Anregungen, wie dieser Teufelskreis zu durchbrechen ist. Die Selbstbeobachtung und Selbstkritik kann bei der Arbeit mit behinderten Kindern den Lehrpersonen nicht dringend genug empfohlen werden.

Rhythmik ohne Leistungsdruck. jedoch mit vielfachen Gelegenheiten zu fordern und zu fördern. bietet in der Tat in Kindergärten, Jugendmusikschulen sowie auch Grund- und Sonderschulen dankbare Möglichkeiten, auf verhaltensauffällige Kinder pädagogisch Einfluss zu nehmen. Wenn dann noch vorsichtige Elternkontakte sowie Zusammenarbeit mit Sonderpädagogen und Erziehungsberatern nach den Anregungen der Verfasserin möglich sind und genutzt werden, können viele Schwierigkeiten, die Rhythmiklehrer mit verhaltensauffälligen Kindern haben, durchaus gemeistert werden.

Im zweiten Teil des Buches gibt die Rhythmiklehrerin Sabine Vliex vielfache Anregungen zur Gestaltung einer Rhythmikstunde unter besonderer Berücksichtigung ängstlicher, alberner und aggressiver Verhaltensweisen von Kindern. RhythmiklehrerInnen, die dieses Fach studiert haben. werden dankbar begrüßen, dass die Autorin die Grundprinzipien der Stundenplanung im didaktischen, methodischen und organisatorischen Bereich noch einmal in knapper und übersichtlicher Form zusammengetragen hat. Der besondere Wert des Buches liegt aber in einer umfangreichen Übungssammlung, die gegliedert nach Einzel-, Partner- und Gruppenübungen, einen wahren Fundus von praktisch verwendbaren Ideen liefert. Dabei sind alle Übungseinheiten miteinander kombinierbar. (Wenn die gesammelten Kinderlieder mitgezählt werden, sind es sogar 159 Übungseinheiten!) Ein Musiklehrer, der ein mit diesen Übungssequenzen vorgebildetes Kind in seiner Grundschulklasse hat, wird sicher begeistert sein.

Musik und Unterricht 39/1996

Renate Klöppel/Sabine Vliex: Helfen durch Rhythmik 
Verlag Herder. Freiburg überarbeitete Neuauflage 1999

Renate Klöppel beschäftigt sich am Beginn dieses Buches mit Verhaltensauffälligkeiten. Sie geht sehr kompetent und sensibel mit diesem Thema um. Anschließend folgt eine Übersicht über Methoden, die verhaltensauffälligen Kindern helfen können: Heilpädagogik, Verhaltenstherapie, Musiktherapie, Psychomotorik. Später wird die Frage, „Wie Rhythmik verhaltensgestörten Kindern helfen kann", behandelt. Dabei geht die Autorin auf verschiedene Verhaltensbereiche ein: Sozialverhalten, Unsicherheit, provokativ albernes Verhalten, aggressives Verhalten, minimale cerebrale Dysfunktion, hyperkinetisches Syndrom, Aufmerksamkeits- und Teilleistungsstörungen. Abschließend wird u.a. auf die Zusammenarbeit mit Eltern und Beratungsstellen/ Therapeuten eingegangen. Der zweite Teil des Buches, gestaltet von Sabine Vliex, nennt sich Praxis der Rhythmik mit verhaltensauffälligen Kindern. Hier geht es um Planen-Handeln-Reflektieren und methodische Hilfsmittel. Es folgt eine interessante Übungssammlung, die viele neue Aspekte der Rhythmik beinhaltet. Sehr empfehlenswert!

Maria Soukup-Gindl 
Unsere Kinder
1/2000 (Wien)