Der besondere Roman

Zwischen Nepal und der radikalen Linken. Der "Deutsche Herbst" 1977 

 

Der Pass

213 Seiten, gebunden, Rotbuch Verlag 2002, EUR 19,90, ISBN 3-343-53098-3

 

"Es war etwas anderes als das, was ich gefürchtet hatte. Es war meine eigene Vergangenheit, die sich mir in den Weg stellte. Sie war schwerer zu überwinden als die Berge."

 

Die Erzählerin, eine 48-jährige Frau, lernt bei einer Trecking-Tour in Nepal die Tochter ihrer verstorbenen Freundin Madeleine kennen, die gemeinsam mit ihrem Vater zu derselben Gruppe gehört. Nachdem die Tochter die Gruppe verlassen hat, entwickelt sich zwischen der Hauptperson und dem Vater eine Liebesbeziehung. Dramatischer Höhepunkt der Tour ist die Überquerung des mehr als 5.400 Meter hohen Thorong Passes, den die Protagonistin höhenkrank übersteht. Auch der Schluss des Unternehmens ist aufregend: Die Maoisten, die in Nepal mit z.T. terroristischen Mitteln gegen Korruption und soziale Missstände kämpfen, zetteln einen Generalstreik an, der die Gruppe zur fluchtartigen Rückkehr nach Kathmandu zwingt.

Im Verlauf des Romans schiebt sich eine andere Ebene, nämlich die Ereignisse im Umkreis der revolutionären Linken der 70er Jahre zunehmend in den Vordergrund: Die Erinnerung an die Klassenkameradin Madeleine, die Wiederbegegnung in Berlin, Madeleines Flucht zur Hauptperson, weil sie wegen eines Bombenattentats gesucht wird, die Verstrickung der Ich-Person in die Aktivitäten der revolutionären Zellen und schließlich ihre Schuld am Tod der Freundin sowie die Ereignisse in dieser Zeit wie die Demonstrationen in Kalkar, die Entführung der Lufthansamaschine Landshut und der Tod der RAF-Mitglieder Andreas Bader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin in Stammheim. Auch dem Tod von Madeleine liegt eine wahre Begebenheit in der Silvesternacht 77/78 zugrunde.